Persönliche Begegnung mit bewegter Geschichte – Rückblick zum Kattowitz-Austausch

Am Sonntag, den 08.07.2018, startete die vom Kölner Jugendpark und der Freizeitanlage Klingelpütz organisierte Begegnung der beiden Jugendgruppen aus Köln und Kattowitz.
Die Kölner Jugendlichen empfingen ihre Gäste aus Polen am Busbahnhof und im Anschluss in der Freizeitanlage Klingelpütz zu einem Willkommensfrühstück. Nach einer Reihe von Kennenlernspielen, die die Kölner Gruppe vorbereitet hatte, wurde allen Teilnehmern der Ablauf und die thematischen Inhalte der diesjährigen Jugendbegegnung erläutert. Über gemeinsame Museums- und Denkmalbesuche sollte den Teilnehmenden die gemeinsame und auch länderspezifische Geschichte näher gebracht werden. Einen Fokus stellte vor allem die Zeit des Zweiten Weltkrieges dar. Aber auch die Geschichte und aktuelle politische und gesellschaftliche Situation der Städte Köln und Kattowitz sowie der jeweilige Lebensalltag der Jugendlichen sollten erfahrbar werden.

Programmpunkte in Köln waren eine kleine Stadtführung, die von den Kölner Jugendlichen selbst durchgeführt wurde und das Anbringen eines Schlosses an der Hohenzollernbrücke umfasste, ein Besuch mit Führung im NS- Dokumentationszentrum mit den Themen „Köln im Nationalsozialismus“ und „Jugend im Nationalsozialismus“ sowie ein Besuch im Dom mit Domturmbesteigung. Zudem wurde das Haus der Geschichte in Bonn besucht, wo die Gruppe an einer Führung auf polnischer und deutscher Sprache teilnehmen konnte.

Zusätzlich zu den genannten Aktionen waren auch Freizeitaktionen Teil des Programms um den Austausch und das gegenseitige Kennenlernen zu intensiveren. Zu Beginn der Begegnung fanden von den Kölner Jugendlichen geplante Aktionen in kleinen Gruppen statt, wie beispielsweise ein Schwimmausflug oder eine Tour durch die Stadt. Auch bei weiteren Ausflügen kam die Bewegung nicht zu kurz: am Dienstag wurde der Kölner Jugendpark besucht, wo gemeinsam Minigolf gespielt wurde, am Donnerstag wurde in Ehrenfeld gemeinsam Lindy Hop getanzt. Ein Höhepunkt für viele Teilnehmer war ganz sicher der Ausflug ins Phantasialand in Brühl.

Zudem wurde an mehreren Abenden gemeinsam in der Freizeitanlage Klingelpütz gekocht und es fand ein Grillabend statt, zu dem auch ehemalige Teilnehmer früherer Jugendbegegnungen eingeladen waren.     

Verbunden mit einem gemeinsamen Abendessen fand auch ein selbstgestaltetes Quiz mit Fragen zur Geschichte Deutschlands und Polens sowie den Städten Köln, Berlin und Kattowitz statt.

Am letzten Tag in Köln wurden Armbänder und Anhänger gemeinsam hergestellt, sodass alle Teilnehmenden ein ganz persönliches Andenken mitnehmen konnten.

Vom 14.07. bis 16.07. fuhren die polnische und die deutsche Gruppe gemeinsam nach Berlin und nahmen an einer Stadtrundfahrt mit dem Boot, einem Besuch mit Führung im DDR Museum, einem Besuch an der „East Side Gallery“, dem Check Point Charlie, dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie einer Führung durch den Deutschen Bundestag teil. So konnte die Gruppe, obwohl Berlin nur ein Zwischenstopp auf dem Weg Kattowitz war, dennoch einiges über die deutsche Hauptstadt und ihre Geschichte lernen. Die Tage zwischen dem 17.07. und 21.07. verbrachte die Austauschgruppe in der Stadt Kattowitz. Dort erkundete die Gruppe ähnlich wie in Köln und Berlin die Stadt größtenteils zu Fuß. So war es möglich, einen lebendigen Eindruck von dem Stadtalltag zu bekommen. Nahe der zentrumsnahen Unterbringung der Gruppe aus Köln befand sich das Schlesische Museum, das durch seine moderne, umfangreiche und multimediale Gestaltung und Aufarbeitung der wechselhaften Geschichte Schlesiens die Gruppe beeindruckte.

Eine Tagesfahrt führte die deutsch-polnische Gruppe in das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, wo die Jugendlichen an einer Führung durch die ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau teilnahmen und die Gedenkstätte besuchten.

Weiteres Wissen und Eindrücke über die NS-Zeit in Polen erhielt die Gruppe bei einer Fahrt nach Krakau im Museum „Fabryka Emalia Oskara Schindlera“, das Museum in einem ehemaligen Gebäude der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler. Das Museum befasst sich mit der Geschichte der ehemaligen Fabrik und der Geschichte Krakaus in der Okkupationszeit. In Krakau wurden außerdem das Schloss Wawel und die wunderschöne Altstadt besucht.

Um Näheres über die Industriegeschichte dieser Region Schlesiens zu erfahren, wurde das Königin Luise Bergwerk im Zechenkomplex Zabrze-Bielszowice nahe Kattowitz besichtigt. Bei einer spannenden Führung unter Tage wurde die zweihundertjährige Geschichte des Bergwerks erfahrbar, dessen Hauptschlüssel –Erbstollen mit 14 Kilometern als längster Erbstollen des Steinkohlebergbaus gilt.

Auch während des Aufenthalts in Kattowitz stand neben dem Bildungsprogramm stets der persönliche Austausch zwischen den TeilnehmerInnen auf der Tagesordnung. An einem Tag wurden die deutschen Jugendlichen in kleinen Gruppen zu Besuchen bei den Familien der polnischen TeilnehmerInnen eingeladen. Während der Besuche wurden Ausflüge unternommen, bei den Familien gegessen oder auch gemeinsam Pierogi (eine polnische Spezialität) zubereitet.

In diesem Jahr kam ein bemerkenswert intensiver Austausch zwischen den beiden Gruppen aus Kattowitz und Köln zustande und zudem wurde bei dem Nachtreffen in Köln deutlich: viele Eindrücke und neu gewonnenes Wissen sind in den Köpfen hängen geblieben- und machen es möglich, noch viel sensibler und kritischer aktuelle politische Entwicklungen in Europa, besonders auch in Hinsicht auf Menschenrechtsverletzungen, zu betrachten.

Auch im kommenden Jahr werden die Freizeitanlage Klingelpütz und der Kölner Jugendpark die Jugendbegegnung Köln- Kattowitz veranstalten. Alle interessierten Kölner Jugendlichen können sich den Termin schon einmal notieren: 07.07.- 20.07.2019.
(ungekürzter Bericht von Carolin Müller)