Bericht zur BAN-Fahrt (Jugend-)kulturen in Berlin

Zu ungewohnt früher Stunde am 01. November 2018, trafen sich elf Jugendliche und junge Erwachsene aus der BAN noch im Dunkeln vor der Freizeitanlage Klingelpütz, um sich gemeinsam auf den Weg nach Berlin zu machen.
Bereits um 6:48 Uhr saßen wir im ICE und hatten erst einmal Zeit, uns kennenzulernen oder auch um die eine oder andere Stunde Schlaf nachzuholen. Obwohl wir uns als Schülerinnen und Schüler von drei verschiedenen Schulen der Bildungslandschaft Altstadt Nord (Abendgymnasium, Hansa-Gymnasium und Realschule am Rhein) zuvor nicht kannten, hatten wir uns als Gruppe schon gefunden, als wir gegen Mittag unser Hostel im Stadtteil Friedrichshain erreichten.

Begleitet wurden wir von der Lehrerin Zerin Senkaya und dem Schulsozialarbeiter Andreas Wagner von der Realschule. Yan Ristau von der Freizeitanlage Klingelpütz, der im Vorfeld ebenfalls an der Planung der Fahrt federführend mitgewirkt hatte, musste leider krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

Den ersten Nachmittag in der Hauptstadt verbrachten wir mit einem ausgedehnten Spaziergang, der uns vom Reichstag, vorbei am Brandenburger Tor und dem Holocaust-Mahnmal, über den Potsdamer Platz sowie den Checkpoint Charlie zum Gendarmenmarkt führte. Ganz schön viel Geschichte, der wir hier nachspüren konnten! Entsprechend müde waren wir nach dem gemeinsamen Abendessen.

Am zweiten Tag hatten wir die Möglichkeit, den Bundestag zu besichtigen. Auf Einladung des Kölner Abgeordneten Matthias W. Birkwald durften wir auf der Besuchertribüne im Plenarsaal Platz nehmen, die Aussicht auf der Kuppel genießen und an einem interessanten Gespräch mit Herrn Birkwalds Büroleiter teilnehmen. Dieser informierte uns sehr anschaulich über die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten und ging auf alle unsere Fragen ein.

Zum Abschluss des spannenden Besuches durften wir uns noch mit einem Mittagessen in der Abgeordneten-Kantine stärken, ehe wir uns auf den Weg machten zu unserem Nachmittags-Programmpunkt: Dem DDR-Museum. Hier wurde das Alltagsleben im ehemaligen Ostdeutschland sehr anschaulich dargestellt. Vom Trabbi-Fahrsimulator, einer originalgetreu nachgebauten Plattenbau-Wohnung bis hin zu einer Gefängniszelle gab es hier Vieles aus der Geschichte der DDR zu sehen und anzufassen.

Apropos Gefängniszelle: Nachdem wir den Tag mit einem Spaziergang und dem „besten Döner der Welt“ in Kreuzberg hatten ausklingen lassen, stand für uns an unserem letzten Tag in Berlin einer der Höhepunkte auf dem Programm: Der Besuch im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Nach einem einleitenden Film über die Geschichte des Gefängnis-Komplexes stand uns mit Friedemann Körner ein beeindruckender Zeitzeuge Rede und Antwort. Er war in den Siebziger Jahren selbst zu Unrecht in Hohenschönhausen inhaftiert.

Man hatte ihm vorgeworfen, von der Flucht eines Freundes in den Westen gewusst zu haben und deshalb an Herrn Körner, einem Sänger im DDR-Rundfunkensemble, ein Exempel statuiert. Seine Frau und er wurden zu mehren Jahren Zuchthaus verurteilt, die Familie auseinandergerissen und erst nachdem er vom Westen freigekauft worden war, konnte er wieder in West-Berlin als Sänger tätig werden.

Zum Abschluss der Führung durch das Gefängnis gab Herr Körner unseren Bitten nach und stimmte für uns zwischen den Betonwänden der Freigangzelle ein Lied an, das ihm in der Zeit der Inhaftierung Kraft gegeben hatte: Die Gedanken sind frei.

Sichtlich beeindruckt von dieser berührenden Begegnung mussten wir uns auch schon wieder auf den Weg zum Berliner Hauptbahnhof machen, um die Heimreise anzutreten. Spätabends erreichten wir Köln nach drei ereignisreichen Tagen voller Kultur, Geschichte und vor allem persönlichen Begegnungen. Wir bedanken uns bei der Ideenkonferenz der BAN und der Montag Stiftung für Jugend und Gesellschaft für das Ermöglichen dieser Fahrt!

(Bericht von Abdullah Al-Masheqbeh mit Andreas Wagner, Schulsozialarbeiter der Realschule am Rhein; Fotos: A. Wagner, Bundeszentrale für politische Bildung)