Kongress „Bildung Weiter Denken“

IMG_6306Mehr Chancen-gleichheit, zunehmende Digitalisierung und gelingende Inklusion und Integration – das sind die aktuell größten Herausforderungen in deutschen Bildungseinrichtungen.
Der von GEW und DGB gemeinsam mit der Ruhr Universität Bochum veranstaltete Kongress beschäftigte sich mit interessanten Fragen aus diesem Themenkreis. Neben Workshops und Gesprächsrunden gab es auch die großen bildungspolitischen Podiumsdiskussionen, in denen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und NRW-Schulministerin Silvia Löhrmann Stellung bezogen. Lioba Brosch, Leiterin unserer Jugendeinrichtung „Tower“, der von der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) getragen wird, besuchte die Bochumer Tagung. Hier ihr Bericht:
„In der Podiumsdiskussion wurde deutlich: Große und kleinere Reformprozesse im Bildungswesen bedürfen nicht nur ausreichender finanzieller Mittel, sondern sie müssen durch viel Erfahrung und Expertise geleitet sein. Gespräche und der Dialog in einem multiprofessionellen Teams sollten Veränderungen stetig begleiten.

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Das Schulsystem in Finnland zeigt wie dies funktionieren kann. In dem Forum Zusammen. Besser. Stärker. wurde deutlich, dass das finnische Bildungssystem keine Sackgassen kennt. Finnische Schülerinnen und Schüler besuchen von der 1. bis zur 9. Klasse alle die Gemeinschaftsschule. Hier wird niemand aufgegeben, sondern es bieten sich für jeden vielfältige Möglichkeiten, mit seinen Voraussetzungen anzuknüpfen. Nach der neunten Klasse bewerben sich die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt oder besuchen die 10. Klasse, um in einzelnen Fächern ihren Notendurchschnitt zu verbessern.

Frühzeitige Förderung scheint das Erfolgsgeheimnis der Finnen zu sein: Ein differenziertes Fördersystem in den ersten Jahrgangsstufen unterstützt die Entwicklung der Grundkompetenzen. Außerdem werden Stärken früh erkannt, jede und jeder Einzelne wird so gefördert, dass er/sie eigene Lernerfolge verzeichnen kann. Sonderpädagogen sind an allen Schulen in den ersten Klassen fest integriert. Die Klassen sind klein und School Assistant Teacher betreuen auch später noch nach Bedarf Kinder mit Lernschwierigkeiten. Außerdem stehen Schullaufbahnberater/innen  den Lernenden zur Seite.

IMG_6338Aktive Prävention gegen Mobbing und Gewalt wird von einer fest installierten Schülerbetreuung gewährleistet. Sie arbeitet im Team mit Schulleitung, Sonderpädagog/innen, Schulpsycholog/innen und Schulgesundheitspfleger/innen. Dabei gilt: das Wohl des Kindes hat absolute Priorität.

Der Unterricht in Finnland wird also nicht nur vom Lehrerkollegium, sondern von viel zusätzlichem pädagogischem Personal getragen. Übergreifendes Ziel ist es, keinen Schüler/in zurück zu lassen. Fraglich ist, ob man dieses Modell des kleinen Finnlands (5,5 Millionen Einwohner, wenig Zuwanderung) auf das deutsche Bildungssystem übertragen kann. Knappe finanzielle Ressourcen, ein steigender Mangel an Fachpersonal und ein immer größerer und komplexer werdendes Aufgabenspektrum könnten dem entgegen stehen.

Mein persönliches Fazit ist aber, dass nicht nur der Unterrichtsinhalt im Vordergrund stehen sollte, sondern die Vorbereitung des Schülers bzw. der Schülerin für die Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens nach der Schulzeit. Und wer kann hier besser unterstützend wirken als die Jugendverbände? Die KSJ als pädagogischer Partner im Schulalltag hat auf dem Bochumer Kongress viele Impulse und Eindrücke sammeln können und gelangt verstärkt zu der Auffassung, dass die Zusammenarbeit von Schulen und Jugendverbänden die Lehr- und Lernwelten von Schüler/innen nachhaltig bestärken kann.“ (Text und Fotos: Lioba Brosch, KSJ)