Kommunale Bildungslandschaften fördern, Kinder und Jugendliche beteiligen

LVR_BildAllen Kindern und Jugendlichen den Weg in ein finanziell eigenständiges Leben mit gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten zu ebnen – das ist ein komplexes Ziel.
Es bedarf dafür der Koordination und Vernetzung der verschiedenen Lernorte wie (Ganztags-)schulen, Musikschulen, Vereine und Bibliotheken, der Kinder- und Jugendarbeit und nicht zuletzt der Familie.

Darin sind sich Land NRW und die Kommunen einig. Es bedarf der Vernetzung, der Zusammenarbeit über Ämtergrenzen hinweg und der direkten Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Seit 2008 fördert das Land NRW daher Projektreihen wie die zweijährigen Initiative „Praxisentwicklungsprojekte Kommunale Bildungslandschaft der kommunalen Jugendpflege“. Deren Ergebnisse wurden am 19.10.2017 auf einer Tagung im LVR-Haus in Köln-Deutz vorgestellt.

Carolin Pless vom Projektbüro des BAN e.V. lauschte den Praxisberichten der sieben Projektkommunen (Hagen, Herzogenrath, Viersen, Minden, Märkischer Kreis, Kreis Warendorf und Städteregion Aachen) und fasst einige Ergebnisse zusammen:

– Wer kooperiert in den kommunalen Bildungslandschaften?
Schule vernetzt sich zunehmend kommunal und folgt nicht mehr nur Landesrichtlinien. Lehrer und Sozialpädagog/innen kooperieren schon heute in Ganztag, in Schulsozialarbeit und darüber hinaus. Verständliche Berührungsängste müssen schrittweise abgebaut werden
 Kitas werden zu Familienzentren ausgebaut, in denen Eltern unterstützt und Kinder umfassend individuell gefördert und Sprachdefiziten frühzeitig begegnet werden soll.
 Die Träger der freien Jugendarbeit gehen aufgrund des Ausbaus der Ganztagsschulen immer mehr in die Schulen herein.
 Kinder und Jugendliche sollen durch neue Beteiligungsmöglichkeiten in sie betreffende Entscheidungen eingebunden werden.

– Wie errichtet man gemeinsam eine gut kooperierende kommunale Bildungslandschaft?
Einen Masterplan, der sich auf alle Kommunen und Städte übertragen ließe, gibt es nicht, denn dafür sind die Bedingungen vor Ort zu unterschiedlich (Bevölkerungsgröße, Zusammensetzung der Bevölkerung und infrastrukturelle Voraussetzungen). Die Steuerung in einer kleineren Modellkommune lässt sich auch nicht eins zu eins auf eine Metropole wie Köln übertragen. In Köln bedarf es wohl mehrerer Bildungsnetzwerke, beispielsweise nach Stadtteilen.

– Entscheidungen entstehen durch Kommunikation: Die Art der Kooperation, das Verhältnis von Eigeninteressen und gemeinsamem Interesse und die Entscheidungswege müssen vom jeweiligen Netzwerk ausgehandelt werden. Alle Beteiligten brauchen ein möglichst klares Bild vom Ziel ihrer Kooperation.

Ermutigung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen:
Die Mitwirkung über die eigene Einrichtung hinaus muss Kindern und Jugendlichen erst mal praktisch ermöglicht werden, zum Beispiel durch das Angebot der Mitnahme  nach der Schule zum Beteiligungsort (Amt etc.) oder durch wirklich klare Vorabinformationen. In Hagen gelang es so, zwei Schülervertreter bei der Qualitätsentwicklung der Potenzialanalysen einzubeziehen. 
Manchmal brauchen Kinder und Jugendliche auch besondere Anreize, ihre Bedürfnisse auszudrücken. Ein Beispiel ist das Projekt „SprachBAR“ in Minden, bei dem eine Umfrage unter Kinder und Jugendlichem zu einem bestimmten Thema mit kleinem Rednerpodest, coolen Getränken und Sitzmöbeln unterstützt wird.

– Projektgelder für soziale Arbeit können je nach Idee auch aus Kulturbudgets kommen.

Als Ergebnis der Tagung ist ein Praxisleitfaden für interessierte Kommunen in Vorbereitung, den das LVR herausgeben wird. Weitere Infos des Landes NRW zur Förderung von kommunalen Bildungslandschaften gibt es hier.